Künstler mit Stil

Kai Krieger im Interview

 

Bilder sagen ja angeblich mehr als 1000 Worte. Und wenn man die Bilder von Kai Krieger, Teil des Künstlerkollektivs 3Steps, betrachtet, stimmt das wohl auch. Unser Interview mit dem Giessener Künstler, Kurator und Unternehmer wollen wir Ihnen trotzdem nicht vorenthalten.

 

Wie würdest Du Graffiti definieren?

Graffiti ist das Hinterlassen von Malerei oder Schriftzeichen an Wänden. In der heutigen Form meist mit der Sprühdose. Aber eigentlich ist das Farbmedium egal. Hauptsache, es kommt was an die Wand.

Woher kommt die Begeisterung fürs Sprayen?

Bunte Graffitiwände der 90er haben mich und meine Partner begeistert. Seit Kindertagen habe ich schon immer reges Interesse an Kunst und Malerei.

Wann kam der Gedanke, aus dem Hobby einen Beruf zu machen?

Der Wunsch nur zu malen und kreativ zu arbeiten war schon immer da. Nach dem Studium kam dann der Entschluss dem Herzen zu folgen.

Es gibt relativ wenige Artists, die vom Graffiti leben. Was muss man mitbringen um davon leben zu können?

Entschlossenheit, Fleiß und Freude.

Wie würdet ihr jemandem euren Ansatz, eure Philosophie beschreiben?

Wir sind Piraten. Wir haben ein Ziel vor Augen, wissen aber nie, was uns auf hoher See noch alles passieren kann. Wir machen Versprechen, und lösen sie auch irgendwann ein. Wir stehen zu unserem Wort. Wir machen und leben die schönen Dinge, schrecken aber auch nicht vor den hässlichen zurück. Man liebt und hasst uns und unsere Arbeiten. Wir wollen Dinge tun und erschaffen die "Ambivalenz" Anziehung und Ablehnung zugleich hervorzurufen.

Hat das Malen Einfluss auf Deinen Lifestyle?

Beides beeinflusst sich ständig gegenseitig.

Gehört Street Art ins Museum? Stichwort Banksy?

Ja, klar. Aber es gehört auch weiterhin auf die Straße und manche Arbeiten explizit nur dorthin.

Hast du noch andere Leidenschaften? Musik? Literatur? Kino?

Genau die. Gute Rockmusik, tolle Kunst und Kinderbücher, coole Kinofilme und Comics und natürlich meine Familie und Freunde.

Wo findet Du Inspiration?

Im Leben, in benutzten Materialien und Gebäuden oder gebrauchten Gegenständen, in der Kunstgeschichte, in Magazinen und Zeitschriften, in der Musik oder beim Fotografieren.

Kannst Du Dir ein Leben ohne Writing vorstellen?

Nein, die Menschen haben schon immer Botschaften und Bilder auf Wänden hinterlassen. Gerade Writing bedeutet den eigenen Namen zu schreiben. Jeder Mensch sollte seinen Namen an Wände schreiben, um zu zeigen: Hey, ich bin hier, wir sind hier, wir sind alles Individuen und doch eine Gemeinschaft. Auf Urban Art mit Graffiti Art oder Street Art wäre ich persönlich im Schaffen nicht so beschränkt.

Was für ein Gefühl hast Du, wenn ein Werk fertig ist?

Das kommt immer auf den Produktionszyklus an. Unter Zeitdruck bei Ausstellungsvorbereitungen hat man kaum Zeit um inne zu halten. Hier geht es direkt mit dem nächsten Werk weiter. Die Zufriedenheit kommt dann meist erst mit dem Abstand nach der Ausstellungseröffnung, bei der Betrachtung von Fotos oder bei der Erstellung eines Kataloges. In ruhigen Zeiten kommt oft der Gedanke: Genau so soll es sein. Freude.

In welcher Tradition siehst Du Dich? Klassisches Writing oder Streetart?

Derzeit sehe ich das Schaffen unseres Kollektivs in gar keiner Tradition. Als wir begonnen haben auf der Straße zu malen, haben wir sowohl klassisches Writing, Graffiti als auch Street Art gemacht. Das Writing hat dann zunächst überwogen, wobei die gegenständliche Wandmalerei uns viel umtrieben hat. Heute nutzen wir Techniken beider Genres für unsere urbane Ausdrucksform, bei der für uns ganz klar die Inhalte mehr im Vordergrund stehen, als die Technik oder das Medium. Wobei letztere die Inhalte gut unterstützen. 

Wie wichtig ist Graffiti und Streetart für ein Stadtbild?

Graffiti und Street Art sind bedeutende Ausdrucksformen der Menschen. Menschen leben in Städten, also gehört es ganz klar zu einer Stadt dazu. Vielleicht lässt sich über die Art und Weise diskutieren. Ich glaube aber, der Mensch macht weitaus Schlimmeres, als Farbe an Wände zu bringen. Ohne derartiges würde ich etwas in der Stadt vermissen. Und genau deshalb holen wir mit dem RIVER TALES Festival (www.flussgeschichten.de) die Farbe in die Stadt.